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Arthrose und Rheuma – wie TCM helfen kann

25. Juni 2026

Wenn jede Bewegung schmerzt, Gelenke schwellen oder versteifen – stehen viele Betroffene irgendwann vor der Frage: Was kann ich tun, wenn klassische Therapien allein nicht reichen? Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bietet einen ganzheitlichen Ansatz, der seit Jahrtausenden angewendet wird und zunehmend auch wissenschaftlich untersucht ist.

Das Grundprinzip der TCM: Gleichgewicht und Fluss

Die TCM betrachtet den Menschen als Ganzes. Gesundheit bedeutet, dass die Lebensenergie Qi ungehindert durch die Meridiane (Energiebahnen) fliessen kann, und dass die Kräfte Yin und Yang im Gleichgewicht sind. Gerät dieses Gleichgewicht aus dem Lot – durch Kälte, Feuchtigkeit, Erschöpfung oder Stress –, entstehen Blockaden, die sich als Schmerzen, Schwellungen oder eingeschränkte Beweglichkeit zeigen.

Wer von Rheuma betroffen ist, kennt es: Die Beschwerden verschlimmern sich oft bei nass-kaltem Wetter. Die TCM beschreibt seit Jahrhunderten, dass pathogene Faktoren wie Kälte, Feuchtigkeit und Wind in den Körper eindringen und Blockaden verursachen können. Diese alltagsnahe Beobachtung deckt sich mit Erfahrungen vieler Betroffener und findet in der modernen Schmerzforschung zunehmend Beachtung.

Akupunktur: gut untersucht und wirksam

Akupunktur ist die am besten erforschte TCM-Methode. Feine Nadeln werden an spezifischen Punkten entlang der Meridiane gesetzt, um Blockaden zu lösen und den Energiefluss zu regulieren.

Was im Körper passiert: Aus westlicher Sicht wirkt Akupunktur über die Freisetzung körpereigener Botenstoffe. Endorphine, Serotonin und Noradrenalin werden während der Behandlung ausgeschüttet und hemmen die Schmerzweiterleitung auf mehreren Ebenen gleichzeitig – sowohl im Rückenmark als auch im Mittelhirn. Die Endorphinfreisetzung gilt in der Schmerzforschung als gut belegter Wirkmechanismus der Akupunktur.

Was die Studien zeigen: Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2012, die 29 randomisiert kontrollierte Studien auswertete, zeigte positive Effekte bei verschiedenen chronischen Schmerzsyndromen. Besonders bei Knie- und Hüftarthrose belegen mehrere Untersuchungen eine Schmerzlinderung und verbesserte Beweglichkeit. Die Deutsche Schmerzgesellschaft empfiehlt Akupunktur bei Schmerzen und verweist auf die entsprechende Unterstützung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Neuere Studien zeigen zudem, dass Akupunktur in Kombination mit klassischer Rheuma-Therapie (DMARDs) die Schmerzkontrolle und Lebensqualität bei rheumatoider Arthritis verbessern kann.

Wichtig: Akupunktur ist kein Ersatz für eine notwendige schulmedizinische Behandlung – sie wirkt am besten als ergänzende Therapie.

Moxibustion: Wärme als Heilmittel

Bei vielen rheumatischen Beschwerden ist Wärme besonders wohltuend – und das nicht zufällig. Die Moxibustion verbindet Wärme- und Kräutertherapie: Getrocknete Beifussblätter (Artemisia vulgaris) werden entzündet und an spezifischen Akupunkturpunkten angewandt. Kälte und Feuchtigkeit sollen so aus dem Körper geleitet werden. Diese Methode eignet sich besonders für Beschwerden, die sich bei warmem Wetter bessern.

Heilpflanzen nach TCM-Prinzipien – auch aus Europa

Viele Menschen sind überrascht zu erfahren: TCM-Therapeutinnen und Therapeuten können auch mit westlichen Heilpflanzen nach TCM-Prinzipien arbeiten. Europäische Kräuter werden dabei nach denselben Kriterien klassifiziert wie chinesische Arzneimittel – nach Geschmack, Temperaturwirkung (wärmend, kühlend, neutral) und ihrer Wirkung auf den Organismus.

Einige dieser Pflanzen sind auch wissenschaftlich gut untersucht:

Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) ist eine der am besten belegten Heilpflanzen bei Gelenkschmerzen. Klinische Studien zeigen eine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung bei Arthrose, Rückenschmerzen sowie Nacken- und Schulterbeschwerden. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) empfiehlt sie zur Linderung von Gelenkschmerzen und bei Beschwerden des Bewegungsapparates. Im TCM-Sinne wirkt sie kühlend – geeignet bei entzündlichen, heissen Gelenkzuständen.

Weidenrinde (Salix alba/purpurea) wird seit dem Altertum bei Gelenk- und Rheumaschmerzen eingesetzt. Ihr Wirkstoff Salicin war Ausgangspunkt für die Entwicklung der Acetylsalicylsäure (Aspirin). Standardisierte Weidenrindenextrakte haben in mehreren kontrollierten Studien entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung bei entzündlichen Gelenkbeschwerden gezeigt. Im TCM-Sinne wirkt sie ebenfalls kühlend und feuchtigkeit-klärend.

Beifuss (Artemisia vulgaris) – als Moxawolle in der Moxibustion eingesetzt – ist auch als wärmendes Kraut bekannt und kann innerlich das sogenannte Milz-Qi stärken und Kälte ausleiten. Er wächst bei uns wild und ist in der Phytotherapie traditionell gut etabliert.

Ernährung als Therapie

Die chinesische Ernährungslehre teilt Lebensmittel nach ihrer Wirkung auf den Körper ein – nicht nach Kalorien oder Nährstoffen, sondern nach Geschmack und Temperaturwirkung. Bei rheumatischen Beschwerden empfiehlt die TCM:

  • Wärmende Kost bevorzugen: Getreide, Hülsenfrüchte, gedünstetes Gemüse, Ingwer, Zimt
  • Möglichst warme Mahlzeiten – ein warmes Frühstück (z. B. Porridge) stärkt die Verdauungskraft
  • Kalte Speisen und Getränke reduzieren – auch Pfefferminz- und Grüntee wirken kühlend
  • Milchprodukte, Rohkost und Zucker nach Möglichkeit einschränken – sie begünstigen laut TCM die Bildung von Feuchtigkeit im Körper

Tuina-Massage: Blockaden lösen mit den Händen

Die traditionelle chinesische Massage Tuina löst Blockaden, fördert den Energiefluss und stärkt die Organfunktionen – durch Techniken wie Streichen, Drücken, Klopfen und Vibration. Gerade bei Gelenkbeschwerden im Bereich von Nacken, Schulter, Rücken und Knien kann Tuina die Beweglichkeit verbessern und Schmerzen lindern.

Prävention: Das Qi stärken

Laut TCM können krankmachende Faktoren nur dann Schaden anrichten, wenn die Lebensenergie Qi geschwächt ist. Häufige Ursachen: Bewegungsmangel, Überarbeitung, unregelmässige Mahlzeiten und anhaltender Stress.

Praktische Schutzmassnahmen bei rheumatischer Neigung:

  • Bei nass-kaltem Wetter warm und windgeschützt anziehen
  • Kälteexposition vermeiden – kein Baden in kalten Gewässern, nicht auf kalten Unterlagen sitzen
  • Regelmässige Bewegung in Mass – sanfte Formen wie Qi Gong oder Spazierengehen stärken das Qi ohne zu überfordern
  • Ausreichend schlafen und Stress reduzieren

TCM als sinnvolle Ergänzung

Rheuma umfasst über 200 verschiedene Erkrankungen. Eine klare schulmedizinische Diagnose bleibt die Grundlage – TCM entfaltet ihre Stärke als ergänzende Therapie, die Schmerzen lindert, die Beweglichkeit verbessert und den Organismus insgesamt stärkt. Gerade bei chronischen Beschwerden, bei denen klassische Ansätze allein nicht ausreichen, lohnt es sich, einen ganzheitlichen Weg zu gehen.

Haben Sie Fragen? Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme.


Quellen


Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Fachperson. Gerne begleite ich Sie ergänzend mit der TCM – vereinbaren Sie ein Erstgespräch.

Ni hao

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